Total müde und kaputt am Singapurer Flughafen angekommen,
habe ich als erstes die netten und strahlenden Australier vermisst. Zusätzlich schlugen
mir die Hitze und feuchte Luft entgegen als ich aus dem Flughafengebäude
gekommen bin. Kein wirklich gelungener Einstieg.
Dann allerdings wollte ich mir ein relativ günstiges
Singapurer Taxi gönnen und musste in einer Schlange warten mit einem knöchernen,
alten, strengen, asiatischem Mann als Zuweiser im blauen Anzug mit weißen Handschuhen,
der keine Miene verzog. Und dann ging sein Handy an: „Yo! Yo! Yo!…“ Ich wollte
erst nicht glauben, dass es aus seiner Tasche kam, aber er hatte allen Ernstes einen
Klingelton von 50 Cent.
Es scheint ziemlich bedeutungslos zu sein, aber er hat meine
Stimmung in ein paar Sekunden von Null auf Hundert gehoben! Von da an ging es
bergauf… ;)
Die Singapurer sind zwar eher reserviert aber wirklich
höflich und hilfsbereit und entgegen den meisten sonstigen Meinungen fand ich
Singapur, bis auf das sehr geordnete und unasiatische Stadtzentrum, nicht
langweilig, sondern ziemlich spannend.
Es ist höchst multikulturell und vielseitig, mit indischem,
chinesischen und arabischen Vierteln und entsprechend unterschiedlichen Menschen,
Religionen, Bräuchen, Essen usw. .
Ich hab mir einen buddhistischen Tempel und eine Zeremonie,
die dort gerade stattfand angeschaut, mir von einer Inderin im Hindu-Tempel ein
wenig zu den Ritualen erklären lassen und bekam in der Moschee gleich eine
Privatführung von einem sehr sympathischen und rhetorisch gewandten Muslim, der
mir später ein paar Info-Bücher in die Hand drückte, die vom Converts Centre
herausgegeben werden… Man kann das Ganze aber auch ein wenig unterschwelliger gestalten…
Buddha Tooth Relic Temple
Da es in Singapur wesentlich schwieriger als in Australien
ist Locals kennenzulernen, war ich sehr froh, dass ein Arbeitskollege von Sarahs
Papa sofort zugesagt hatte, mir noch ein wenig mehr von Singapur zu zeigen.
Zusammen mit seiner Frau hat mich Goh dann zum typisch singapurischen Essen eingeladen.
Aus mehreren Aquarien haben wir uns unterschiedliche Fische und eine Krabbe
ausgesucht, die dann frisch zubereitet wurden. Alles super lecker, allerdings haben wir
draußen bei 32°C Grad und 100%
Luftfeuchtigkeit gegessen und nach dem Chili Crab hatte ich das Gefühl, dass
die Temperatur nochmal mindestens um 10 Grad gestiegen sein musste.
Danach stand noch die Verkostung der in Asien sehr beliebten
Durian Fruit auf dem Programm. Aufgrund des wirklich sehr strengen Geruchs ist
sie in Singapur in geschlossenen Gebäuden, Bussen ect. verboten. Allerdings ist
der Geschmack noch schlimmer. Mir wurde ein Kern mit Fruchtfleisch in die Hand
gedrückt. Ich hab nur ein wenig abgebissen, aber ich musste mich wirklich
zusammenreißen es herunterzuschlucken. Unbeschreiblicher Geschmack und
unbeschreibliche Konsistenz. Allerdings muss man es probieren, wenn man schon
mal da ist…
Nach vier Tagen in Singapur ging es dann weiter nach Malacca
in Malaysia und meinem ersten Hostel im „richtigen“ Asien, was bedeutet dass
die Wände so dünn wie Papier sind und man davon ausgehen kann den zehn- bis
fünfzehn minütigen Muezzinruf morgens um 5:30 Uhr nicht zu überhören.
Ansonsten ist Malacca toll. So wie man sich Asien vorstellt:
Enge Gassen, historische Gebäude, farbenfrohe Tempel, verrückter Verkehr mit
einer Menge Mopedfahrern, Handel mit allem Möglichen auf der Straße, Rischkas,
die nicht kitschiger geschmückt sein könnten, günstige Foodcourts mit einer
Menge Reis und jeden Tag tausende von neuen Eindrücken.
Nach ein paar Tagen ging es wieder weiter nach Kuala Lumpur,
der Hauptstadt Malaysias. Dort angekommen, bin ich dann doch noch das erste Mal
auf meiner Reise richtig krank geworden. Ich vermute, dass es an den verrückten
singapurischen Temperaturunterschieden liegt: draußen brütende Hitze und egal
in welches Gebäude man kommt, eisig kalt. Also musste ich dann schweren Herzens
drei Tage verschwenden und im Bett liegen.
Wäre ich dort mal geblieben…
Habe mich dann in den nächsten Tagen ein wenig in KL
umgesehen und bin nichtsahnend in einen Klamottenladen gegangen und meinen
Augen nicht getraut: Ein Fan T-Shirt mit dem Bild und Namen von Osama bin Laden.
Habe es dann recht reflexartig vom Kleiderständer genommen, mich zum Verkäufer
umgedreht und ihn ungläubig angeguckt, woraufhin er mir ohne dass ich auch nur
irgendwas gesagt habe, sehr freundlich gezeigt hat, wo der Ausgang zu finden
ist…
Heute habe ich mich dann mit einem Malaien getroffen, den
ich in Neuseeland kennengelernt habe. Haben uns den Central Market, die
Twin-Tower, das Wahrzeichen Kuala Lumpurs angesehen und sind den KL-Tour hochgefahren
um eine wirklich tolle Aussicht über die Stadt genießen zu können.
Dabei wurde ich auch in die Tricks der Taschendiebe
eingeweiht und siehe da, als ich alleine zum Hostel zurückgegangen bin, konnte
ich mein Wissen auch gleich zweimal anwenden!
Ich bin mit einer kleinen Umhängetasche auf dem Bürgersteig
an einer vielbefahrenen Straße langgelaufen und von hinten kam ein Moped,
darauf zwei Leute. Der Hintere hat dann versucht während der Fahrt meine Tasche
an sich zu reißen. Zum Glück war ich etwas schneller und konnte sie retten.
Dann vielleicht eine halbe Stunde später in einem der Haupttouristencenter, ich
bin wieder auf dem Bürgersteig gelaufen, dieses Mal jedoch weiter vom Straßenrand
entfernt. Da fährt etwa 20 Meter vor
mir ein Moped auf den Bürgersteig und kommt auf mich zu, sodass ich zwischen
ihnen und der Straße war und nicht zur Seite ausweichen konnte, weil ich sonst von
Autos plattgefahren worden wäre.
Zum Glück wurde mir von dieser Masche schon erzählt, sodass
ich reagieren konnte. Als sie auf meiner Höhe waren, konnte ich mich um meine
eigene Achse drehen, sodass ich mit dem Rücken zu ihnen stand, mich zur
Straße hin über meine Tasche beugen und dann rennen. Schnell rennen. Das Manöver war
sogar erfolgreich.
Nach dem nur kurz anhaltenden Gefühl James Bond zu sein, hat
es mich allerdings stinksauer gemacht. Sie können ja gerne auf der Straße von
hinten an mir vorbei fahren und versuchen meine Tasche zu klauen, aber das? Die
Dreistigkeit zu besitzen und mit dem Moped auf dem Bürgersteig auf einen
zuzufahren? Ich hätte denen am liebsten mit der Tasche einen übergebraten!
Unglaublich…
Ich packe ab jetzt das Geld in meine Hosentasche, nehme
mir eine mit Ziegelsteinen gefüllte Tasche mit und lasse sie schon mal pendeln,
damit das Ausholen nicht zu lange dauert…
Kuala Lumpur und ich werden keine Freunde mehr! Ich hab mich
bisher in keiner Stadt so unsicher und unwohl gefühlt und bin froh, wenn ich
bald weiter fahre.
Eigentlich ziemlich schade, da ich sehr viele unheimlich aufgeschlossene
und freundliche Malaien kennengelernt habe.
Trotzdem, ich will hier nur noch schnellst möglichst weg!
Morgen werde ich mir also mal meine Ziegelsteintasche
schnappen, mich zu einem Reisebüro aufmachen und wohl meinen Flug nach Phuket,
Thailand buchen.
In diesem Sinne,
Selamat tinggal!










































