Montag, 11. Juni 2012

Die ersten Eindrücke Südostasiens


Total müde und kaputt am Singapurer Flughafen angekommen, habe ich als erstes die netten und strahlenden Australier vermisst. Zusätzlich schlugen mir die Hitze und feuchte Luft entgegen als ich aus dem Flughafengebäude gekommen bin. Kein wirklich gelungener Einstieg.

Dann allerdings wollte ich mir ein relativ günstiges Singapurer Taxi gönnen und musste in einer Schlange warten mit einem knöchernen, alten, strengen, asiatischem Mann als Zuweiser im blauen Anzug mit weißen Handschuhen, der keine Miene verzog. Und dann ging sein Handy an: „Yo! Yo! Yo!…“ Ich wollte erst nicht glauben, dass es aus seiner Tasche kam, aber er hatte allen Ernstes einen Klingelton von 50 Cent.
Es scheint ziemlich bedeutungslos zu sein, aber er hat meine Stimmung in ein paar Sekunden von Null auf Hundert gehoben! Von da an ging es bergauf…  ;)


Die Singapurer sind zwar eher reserviert aber wirklich höflich und hilfsbereit und entgegen den meisten sonstigen Meinungen fand ich Singapur, bis auf das sehr geordnete und unasiatische Stadtzentrum, nicht langweilig, sondern ziemlich spannend.
Es ist höchst multikulturell und vielseitig, mit indischem, chinesischen und arabischen Vierteln und entsprechend unterschiedlichen Menschen, Religionen, Bräuchen, Essen usw. .

Ich hab mir einen buddhistischen Tempel und eine Zeremonie, die dort gerade stattfand angeschaut, mir von einer Inderin im Hindu-Tempel ein wenig zu den Ritualen erklären lassen und bekam in der Moschee gleich eine Privatführung von einem sehr sympathischen und rhetorisch gewandten Muslim, der mir später ein paar Info-Bücher in die Hand drückte, die vom Converts Centre herausgegeben werden… Man kann das Ganze aber auch ein wenig unterschwelliger gestalten…

Buddha Tooth Relic Temple




 




Da es in Singapur wesentlich schwieriger als in Australien ist Locals kennenzulernen, war ich sehr froh, dass ein Arbeitskollege von Sarahs Papa sofort zugesagt hatte, mir noch ein wenig mehr von Singapur zu zeigen. Zusammen mit seiner Frau hat mich Goh dann zum typisch singapurischen Essen eingeladen. Aus mehreren Aquarien haben wir uns unterschiedliche Fische und eine Krabbe ausgesucht, die dann frisch zubereitet wurden.  Alles super lecker, allerdings haben wir draußen bei  32°C Grad und 100% Luftfeuchtigkeit gegessen und nach dem Chili Crab hatte ich das Gefühl, dass die Temperatur nochmal mindestens um 10 Grad gestiegen sein musste.






Danach stand noch die Verkostung der in Asien sehr beliebten Durian Fruit auf dem Programm. Aufgrund des wirklich sehr strengen Geruchs ist sie in Singapur in geschlossenen Gebäuden, Bussen ect. verboten. Allerdings ist der Geschmack noch schlimmer. Mir wurde ein Kern mit Fruchtfleisch in die Hand gedrückt. Ich hab nur ein wenig abgebissen, aber ich musste mich wirklich zusammenreißen es herunterzuschlucken. Unbeschreiblicher Geschmack und unbeschreibliche Konsistenz. Allerdings muss man es probieren, wenn man schon mal da ist…
 


Nach vier Tagen in Singapur ging es dann weiter nach Malacca in Malaysia und meinem ersten Hostel im „richtigen“ Asien, was bedeutet dass die Wände so dünn wie Papier sind und man davon ausgehen kann den zehn- bis fünfzehn minütigen Muezzinruf morgens um 5:30 Uhr nicht zu überhören.
Ansonsten ist Malacca toll. So wie man sich Asien vorstellt: Enge Gassen, historische Gebäude, farbenfrohe Tempel, verrückter Verkehr mit einer Menge Mopedfahrern, Handel mit allem Möglichen auf der Straße, Rischkas, die nicht kitschiger geschmückt sein könnten, günstige Foodcourts mit einer Menge Reis und jeden Tag tausende von neuen Eindrücken.



Nach ein paar Tagen ging es wieder weiter nach Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias. Dort angekommen, bin ich dann doch noch das erste Mal auf meiner Reise richtig krank geworden. Ich vermute, dass es an den verrückten singapurischen Temperaturunterschieden liegt: draußen brütende Hitze und egal in welches Gebäude man kommt, eisig kalt. Also musste ich dann schweren Herzens drei Tage verschwenden und im Bett liegen. 

Wäre ich dort mal geblieben…

Habe mich dann in den nächsten Tagen ein wenig in KL umgesehen und bin nichtsahnend in einen Klamottenladen gegangen und meinen Augen nicht getraut: Ein Fan T-Shirt mit dem Bild und Namen von Osama bin Laden. Habe es dann recht reflexartig vom Kleiderständer genommen, mich zum Verkäufer umgedreht und ihn ungläubig angeguckt, woraufhin er mir ohne dass ich auch nur irgendwas gesagt habe, sehr freundlich gezeigt hat, wo der Ausgang zu finden ist…  

Heute habe ich mich dann mit einem Malaien getroffen, den ich in Neuseeland kennengelernt habe. Haben uns den Central Market, die Twin-Tower, das Wahrzeichen Kuala Lumpurs angesehen und sind den KL-Tour hochgefahren um eine wirklich tolle Aussicht über die Stadt genießen zu können.
Dabei wurde ich auch in die Tricks der Taschendiebe eingeweiht und siehe da, als ich alleine zum Hostel zurückgegangen bin, konnte ich mein Wissen auch gleich zweimal anwenden!


Ich bin mit einer kleinen Umhängetasche auf dem Bürgersteig an einer vielbefahrenen Straße langgelaufen und von hinten kam ein Moped, darauf zwei Leute. Der Hintere hat dann versucht während der Fahrt meine Tasche an sich zu reißen. Zum Glück war ich etwas schneller und konnte sie retten. Dann vielleicht eine halbe Stunde später in einem der Haupttouristencenter, ich bin wieder auf dem Bürgersteig gelaufen, dieses Mal jedoch weiter vom Straßenrand entfernt. Da fährt etwa 20 Meter vor mir ein Moped auf den Bürgersteig und kommt auf mich zu, sodass ich zwischen ihnen und der Straße war und nicht zur Seite ausweichen konnte, weil ich sonst von Autos plattgefahren worden wäre.
Zum Glück wurde mir von dieser Masche schon erzählt, sodass ich reagieren konnte. Als sie auf meiner Höhe waren, konnte ich mich um meine eigene Achse drehen, sodass ich mit dem Rücken zu ihnen stand, mich zur Straße hin über meine Tasche beugen und dann rennen. Schnell rennen. Das Manöver war sogar erfolgreich.  

Nach dem nur kurz anhaltenden Gefühl James Bond zu sein, hat es mich allerdings stinksauer gemacht. Sie können ja gerne auf der Straße von hinten an mir vorbei fahren und versuchen meine Tasche zu klauen, aber das? Die Dreistigkeit zu besitzen und mit dem Moped auf dem Bürgersteig auf einen zuzufahren? Ich hätte denen am liebsten mit der Tasche einen übergebraten! Unglaublich…

Ich packe ab jetzt das Geld in meine Hosentasche, nehme mir eine mit Ziegelsteinen gefüllte Tasche mit und lasse sie schon mal pendeln, damit das Ausholen nicht zu lange dauert…

Kuala Lumpur und ich werden keine Freunde mehr! Ich hab mich bisher in keiner Stadt so unsicher und unwohl gefühlt und bin froh, wenn ich bald weiter fahre.

Eigentlich ziemlich schade, da ich sehr viele unheimlich aufgeschlossene und freundliche Malaien kennengelernt habe. 

Trotzdem, ich will hier nur noch schnellst möglichst weg!
Morgen werde ich mir also mal meine Ziegelsteintasche schnappen, mich zu einem Reisebüro aufmachen und wohl meinen Flug nach Phuket, Thailand buchen.

In diesem Sinne,

Selamat tinggal!


Samstag, 9. Juni 2012

Die letzten Wochen in Australien!


Selamat siang aus Malaysia!

Es ist mal wieder etwas her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet habe, daher ein kurzer Schnelldurchlauf, was ich die letzten Wochen in Australien getrieben habe: 

Nach meiner Segeltour und dem Surfen habe ich im 20 Häuser Dorf Neerdie in Queensland gewwooft und mich selten irgendwo gleich so wohl gefühlt.  Das Ehepaar bei dem ich für eine Woche gelebt habe, war Anfang 70 und damit deutlich unter dem Durchschnittsalter der meisten anderen Einwohner. Durch verschiedene Backpacker, die in ländlichen Gebieten gearbeitet und Texten die ich in manchen Reiseführern gelesen habe, bin ich durchaus voreingenommen und mit der Erwartung nicht wirklich willkommen zu sein, losgefahren. Allerdings war genau das Gegenteil der Fall: Nach ein paar Tagen musste man nur einmal die einzige Straße im Dorf herunterlaufen und wurde fast immer irgendwo in den Garten auf eine Tasse Kaffee, interessante Gespräche und ein paar Mückenstiche eingeladen. Es waren allerdings keine spießigen Senioren, sondern echte Individuen. Es war alles dabei, vom komplett in weiß gekleideten, langhaarigen und runden sonnenbrillentragenden Hippie-Opa bis zum Apple-verrückten Endachziger, der die ganze Woche leidenschaftlich davon erzählte, dass er unbedingt seinen PC mit dem neuen iPad synchronisieren muss, aber gerade mal wusste wo der Startknopf ist. 

Ich bin bei Sandra, einer Australierin und Andy, einem Schotten untergekommen. Ein paar sehr faszinierende, lustige und unglaublich liebe Menschen. Zusätzlich interessant war es, da die Beiden für fünf Jahre auf einer Insel mit australischen Ureinwohnern gelebet und gearbeitet haben und sogar in deren Stamm aufgenommen wurden. Also gab es neben selbstgebrautem Bier, Thai lernen mit Sally und Tarantino-Filmabenden auch noch richtig gute und spannende Gespräche. Zudem war das Treffen mit ihrem Sohn äußerst unterhaltsam. Er ist Leadsänger in einer (ehemals) recht erfolgreichen Band in Australien, die mit AC/DC, KISS, Alice in Chains ect. getourt hat.
Diese Dorfbewohner waren also von Spießigkeit ziemlich weit entfernt und ich war sehr traurig nach der viel zu kurzen Zeit wieder Abschied zu nehmen.


 Wunderschönes Neerdie
 
Private Alkoholbrauschule "Der erste halbe Liter ist nur fürs Fensterputzen gut"

 Ein zu gutes Coverfoto, um es nicht zu fotografieren...
 
Andy & Sandy

Mein nächster Stop war in Brisbane, wo ich bei dem Sohn einer Neerdie-Dorfbewohnerin, den ich während des Wwoofens kennengelernt habe, untergekommen bin. Leider hat sich dann erst herausgestellt, dass wir absolut nicht auf einer Wellenlänge sind. Zum Glück waren seine Freunde super und so habe ich dann mit denen etwas unternommen und sehr lustige (und unglaublich teure) Abende verbracht, bevor ich weiter nach Narengba gefahren bin. 

Hier habe ich wiederum fünf Tage gewwoofen. Allerdings auf einer riesigen Gemüsefarm, auf der weniger der kulturelle Austausch als die Arbeit im Vordergrund stand. So habe ich hier den ganzen Tag irgendwelche Setzlinge gepflanzt, Kuhmist geschaufelt und geerntet. Die Familie wollte neben der Arbeit und dem Mittag- bzw. Abendessen auch weniger mit den Wwoofern zu tun haben, sodass ich froh war, das ein oder andere Schwätzchen mit dem italienischen Opa, der ebenfalls auf dem Hof lebt und immer mit seiner Kuh Gassi gegangen ist, zu halten.


Mein Gesprächspartner (Leider war die Kuh gerade nicht mit dabei!)



Ende April bin ich dann von Brisbane nach Alice Springs geflogen und habe dort eine dreitägige Tour ins Outback, zum Uluru (Ayers Rock), den Kata Tjutas und Kings Canyon Nationalpark gemacht. In der Nacht haben wir bei kühlen sechs Grad ums Lagerfeuer in Swags (australischer dicker Schlafsack mit integrierter Isomatte und  fester Außenhülle) unter dem unglaublichen Sternenhimmel übernachtet. Außerdem hab ich endlich neben Kamelen, Kängurus in freier Wildbahn gesehen. Auch mit der Gruppe hatte ich mal wieder Glück, sodass selbst 1200 Kilometer Fahrt durch die immer gleiche Landschaft nicht langweilig wurden. (Dank sei vor allem einem der unterhaltsamsten Amerikaner, den ich bisher kennenlernen durfte!)

 Kings Canyon NP






Kata Tjutas



Uluru


 
Alice Springs, von wo die Tour gestartet ist, war weniger schön. Wo man hingesehen hat, vollkommen betrunkene und mitten auf der Straße schlafende Aborigines, die mit einer ziemlich einschüchternden Stimme durch die Straßen gerufen haben. Als ich mit zwei weiteren Backpackern Nachts vom Tour-Nachtreffen zurück zum Hostel gelaufen bin, ist ein Polizei-Auto angekommen und neben uns im Schritttempo von der Bar bis zum Hostel gefahren, da es sonst zu gefährlich sei.
Allerdings scheint die Polizei in Alice Springs nicht den Unterschied zwischen Vorsicht und Rassismus zu kennen. So rollen sie mit dem Polizeiauto den ganzen Tag von Aborigines zu Aborigines auf ein paar Zentimeter heran, fahren das Fenster herunter und starren denjenigen ein paar Minuten überprüfend an. Wäre ich ein australischer Ureinwohner und stände nur deshalb sofort und überall unter Generalverdacht, würde ich auch mal meine einschüchternde Stimme auspacken. Leider ist diese Zurückweisung in ganz Australien zu merken. Nirgendswo sind sie auch nur im Geringsten integriert, sehr traurig das mit anzusehen…

Von Alice Springs bin ich dann nach Melbourne geflogen um den Mai nochmal in meiner AuPair Familie zu verbringen und zusammen mit einer Nanny auf die Kinder aufzupassen, während die Eltern für drei Wochen in Europa sind.
Die ersten anderthalb Wochen hätten uns schon warnen sollen, denn sie liefen erstaunlich problemfrei. In etwa der Hälfte der Zeit fingen die Kinder an ihre Eltern zu vermissen und dadurch ziemlich unausgeglichen zu sein. Und dann wurde es anstrengend! Richtig anstrengend! Aus jedem „Nein“ wurde ein riesengroßes, lautstarkes Theater.
Da ich es absolut nicht einsehe, warum ich jemandem Süßigkeiten erlauben sollte, wenn man das Abendessen nicht angerührt hat oder jemanden sich mit Freunden treffen zu lassen, wenn er vor einer Stunde nicht in die Schule gehen konnte, da er sterbenskrank war, hat das Ganze meist mit Sich-auf-den-Boden-schmeißen, Brüllen, Kreischen und Sachen herum schmeißen geendet.
Übrigens habe ich nun einen Zeugen, der meine Meinung bestätigt, dass es unglaublich verzogenen Kinder sind, denen Zucker in die süßen Popos geblasen wird. Die Nanny war vierzig, hat ihr Leben lang mit Kindern zusammengearbeitet und meinte, sie hätte noch nie welche gehabt, denen es so fremd ist mal ein „Nein“ zu hören. So! Nur zu meiner Verteidigung! ;)

Als die Eltern dann wieder da waren, hatte ich nochmal ein paar schöne Tage in der Familie. Wenn die Kinder etwas wollten und wussten dass ich „Nein“ sage, sind sie einfach direkt zu ihren Eltern gegangen. Dort haben sie ihren Willen bekommen, waren glücklich und friedlich und ich brauchte nicht das Gefühl haben für ein bisschen Ruhe meine Prinzipien über Bord werfen zu müssen und war somit auch glücklich.
Ich bin ja mal gespannt, wie die Kinder in etwa zehn Jahren sind…

Trotz ein paar wirklich anstrengenden Tagen, bin ich sehr froh für die drei Monate als AuPair in eine Familie gegangen zu sein. Die Eltern waren trotz bedenklichem Erziehungskonzept (Ja, ich möchte mir wirklich rausnehmen, das zu beurteilen!) super nette Leute, die ich gerne nochmal besuchen komme. Ich habe unzählig viele tolle Australier kennengelernt. Mein Englisch hat sich zumindest etwas verbessert. Ich habe, ausgenommen von den ersten Tagen, als ich neu in der Familie war und der letzten Woche ohne Eltern, eine lustige Zeit mit den Kindern verbracht und sie trotz allem ziemlich lieb gewonnnen. Das Wichtigste aber ist, dass ich meine eigene Erziehung viel mehr schätzen gelernt habe und meinen Eltern für jedes „Nein“, das ich bekommen und sie aus Bequemlichkeit nicht einfach vermieden haben, sehr dankbar bin!

Und dann war Ende Mai meine Zeit in Australien auch schon vorbei. Nach siebeneinhalb Monaten bin ich von Melbourne wieder nach Brisbane und von dort mit ziemlich getrübter und melancholischer Stimmung nach Sinpapur geflogen.

Nun reise ich seit etwa zwei Wochen in Südostasien. In den nächsten zwei, drei Tagen kommt dann der Bericht darüber, sodass der Blog wieder up-to-date ist.
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Bis dahin, Selamat tinggal! (Es wird fast alles so ausgesprochen, wie es geschrieben wird. Malaiisch ist gar nicht mal so schwer ;))

Donnerstag, 12. April 2012

Segeln & Surfen


Ich bin vor ein paar Tagen von meinem zweitägigen Segeltrip zurückgekommen und kann damit meine schlechte Phase für absolut abgeschlossen erklären. Ich glaube, ich fühlte mich selten so entspannt.

Wir sind mit 12 Personen und zwei Crewmitgliedern um die Whitsunday Insel gesegelt. Haben den weißesten Strand der Welt, den Whiteheaven Beach gesehen, sind auf dem wohl weichesten Sand überhaupt gelaufen und haben an drei verschiedenen Spots geschnorchelt. Eigentlichen habe ich ja die Nase von Stränden erstmal voll, aber der war wirklich beeindruckend schön. 
Sehr viel Glück hatte ich mit den Leuten, die alle super lustig und locker waren. Einer der Skipper war echtes Original und für ihn schien es ebenfalls eine lohnenswerte Tour gewesen zu sein, da er das erste Mal in seinem Leben Liechtensteiner gesehen hat („must be a really small town“) und er Spaß daran hatte die Beiden damit aufzuziehen. Wann immer ein Segel gehisst wurde und sich kein Freiwilliger fand wurde das „Team Licktensteein“ gerufen und die Jungs waren der Running Gag an Board. 


  







Die Unterwasserwelt fand ich wieder unglaublich faszinierend. Man konnte in Mitten von bunten Fischschwärmen schnorcheln währenddessen unter dir metergroße Fische und Schildkröten schwammen. Ich hab mich nun letztendlich auch dazu entschlossen, Fraser Island komplett auszulassen und das Geld in meinen Tauchkurs auf der thailändischen Insel Ko Tao zu investieren. 

Die Nacht auf dem Boot war ebenfalls wunderschön. Da es so dunkel war, konnte man den Sternenhimmel mit zumindest dem Ansatz der Milchstraße und einigen Sternschnuppen gut sehen und es hat sich sogar gelohnt um sechs Uhr aufzustehen um den Sonnenaufgang zu genießen. Nachmittags war der Segeltrip leider auch schon wieder vorbei und eine weitere Deutsche und ich haben noch mit den Liechtensteinern das ein oder andere Bierchen an deren Campervan getrunken bevor es dann über Nacht weiter nach Agnes Water ging. 

Hier bin ich heute das erste Mal Surfen gegangen und es macht genauso viel Spaß wie es anstrengend ist. Zuerst gab es etwas Theorieunterricht, wo uns gezeigt wurde, wie man richtig auf dem Surfboard aufsteht und danach ging es mit zwei Surflehrern und zwölf Nichtskönnern an den Strand. Uns wurde dann erzählt, dass die Konditionen, zumindest für Anfänger, nicht wirklich günstig seien, da es sehr windig ist und die Wellen sehr hoch. Vom Strand betrachetet sah es allerdings nicht wilder aus als im Wellenbad, aber man verstand das Ganze nachdem die ersten Wellen über einem zusammenbrachen. 

Fast schwieriger als das Surfen selbst war es, sich und das Surfboard weiter ins Wasser hinaus zu bekommen, da erbarmungslos eine Welle nach der anderen kam und dich immer wieder in Richtung Strand transportiert hat. Wenn man also irgendwann weit genug draußen war und man noch Kraft hatte, konnte man versuchen eine Welle zu surfen. Das Ganze ist nicht so einfach wie es aussieht!!! Allerdings hatte ich das Glück mich mit einem der Surflehrer, der für das Hostel arbeitet, den Abend davor schon angefreundet zu haben und so mehr oder weniger Privatunterricht zu bekommen. Man musste sich nur etwas an seine Art zu motivieren gewöhnen, da die letzten Worte die man hörte, bevor man von der Welle erfasst wurde, immer von der Kategorie „Wow, that’s a huge wave. Even I would be scared.”  waren. Immerhin hat es geklappt vielleicht sechs oder sieben Mal richtig aufzustehen. Die restliche Zeit habe ich vor allem dagegen angekämpft nicht in Richtung Strand getrieben zu werden und das Meer nicht ganz auszutrinken. Ich hatte aber riesigen Spaß und freue mich auf meinen Muskelkater in den Oberarmen. Schade ist nur, dass ich das Surfen so spät ausprobiert habe. Immerhin habe ich gelesen, dass man auch in Thailand und Malaysia recht gut surfen können soll. 



Morgen fahre ich weiter gen Süden um meine restliche Zeit, bevor es Ende April nach Alice Springs geht, bei drei verschiedenen Wwoofing Hosts zu verbringen. Zuerst komme ich zu einem älteren, viel gereisten Ehepaar, dass große Gemüseplantagen hat, auf denen ich gegen Unterkunft, Verpflegung und hoffentlich dem ein oder anderem interessanten Gespräch, für etwa vier oder fünf Stunden am Tag arbeite. 

Mir geht es also wieder bestens und ich glaube, die schlechte Phase musste und durfte nach einem halben Jahr auch mal sein. Zwar bin ich immer noch der Meinung, dass Australien nicht das geeignetste Land für eine so lange Reise ist, allerdings habe ich in der letzten Woche wieder jeden Moment genossen und freue mich auf das Outback. Zudem habe ich mir endlich meinen Südostasien Reiseführer gekauft und beginne ein wenig zu planen was ich dort überhaupt alles sehen und machen möchte…
Wie war das also? Aus jeder Krise kommt man gestärkt wieder heraus! So sieht es aus! Kann ich nur bestätigen ;)

Tiefenentspannte Grüße & Cheers :)






















Freitag, 6. April 2012

Jene Phase, die wohl auch mal kommen musste...


Ich sitze an einem wunderschönen Strand im wunderschönen, kleinen Ort Airlie Beach und schäme mich fast ein wenig Folgendes aufzuschreiben: Ich habe gerade absolut keinen Bock mehr! 

Mich nervt das ewige Rumgegammel, der Strand, das Meer, in dem man Dank der Gefahr tödlicher Quallen nicht mal schwimmen kann… Ich dachte ja, dass man das Nichtstun (oder Sich-Treiben-Lassen, wie es diejenigen, die es beherrschen, auch gerne nennen) lernen kann, aber ich vermisse es eine Aufgabe zu haben, ein Ziel, was zu lernen und die Zeit SINNVOLL zu verbringen. Normalerweise trifft man zumindest überall nette Leute, die einen davon wunderbar ablenken, allerdings ist die ganze Ostküste voller nachpubertärer Engländer, deren einziges Ziel es ist, sich ab Mittag auf die günstigste Art, d.h. mit Goon (australischem Fusel“wein“), zu betrinken. Das Ganze nennt sich dann im British English „get pissed“, wie ich lernen durfte.

Mir geht das allerdings ziemlich auf die Nerven und ich zähle die Tage bis mein Flieger nach Alice Springs geht. Ich bin ja durchaus ein Freund des ein oder anderen Bierchens (oder des sehnsüchtig vermissten kalten Weizens), aber ich habe bewusst keine Woche Mallorca gebucht. Vor allem ist anscheinend die komplette Ostküste von dieser Art der Backpacker belagert, mit denen man nicht mal zwei normale Worte wechseln kann. Daher vermisse ich ebenfalls ein gutes Gespräch, eine schöne niemals endende Diskussion und bin den Backpacker Small-Talk (Wo kommst du her? Wo gehst du hin? Do you get pissed with us?…) so was von Leid.

Hinzu kommt einfach, dass Australien für eine so lange Reise, nicht für mich gemacht ist. Je länger ich hier bin, desto weniger kann ich das Gefühl unterdrücken. Natürlich ist die Landschaft und sind die Strände traumhaft, die Ausblicke jedes Mal wieder atemberaubend. Dann war es das aber auch. Du siehst oder erlebst nichts „Bleibendes“ oder „Prägendes“. Du lernst nichts. Das Land ist jung und das macht sich bemerkbar, indem es bis auf Outbackorte, wo man etwas von dem Aborigine Leben mitbekommt, komplett geschichts- und kulturlos ist. Ich will absolut nicht sagen, dass mir Australien und das Gleiche gilt für Neuseeland, nicht gefällt. Ich kann mir sogar sehr gut vorstellen, irgendwann nochmal zum Tauchen, für das Bereisen der australischen Westküste und der Nordinsel Neuseelands wiederzukommen, allerdings nicht länger als ein oder zwei Monate am Stück. Dann ist nämlich die Zeit gekommen, wo ich etwas mit mehr Tiefgang vermisse. 

Daher freue ich mich sehr auf Asien und in eine neue Kultur, Lebensweise und Geschichte eintauchen zu können. Mit Hinblick darauf, probiere ich meine Laune zumindest über dem Nullpegel zu halten.
Zudem arbeite ich morgen zum letzten Mal in diesem dreckigen, stinkigen Hostel, das nicht mal einen spannenden Nachtwächter zu bieten hat und suche mir dann einen Platz zum Wwoofen um wieder unter normale Leute zu kommen. Meine Zeit ist mir dann doch viel zu schade, um nur die Tage rückwärts zu zählen. Allerdings habe ich mit mir ausgemacht, bis ich fündig geworden bin, richtig schlechte Laune haben zu dürfen. Das muss auch mal sein :)

(Ich hoffe man kann in etwa nachvollziehen, was ich sagen möchte...)

Dienstag, 27. März 2012

Mein Lieblings-Nachtwächter

Dieses Mal melde ich mich fast fristgerecht aus Townsville.
Hier an der Ostküste ist im Moment Wetseason, was bedeutet, dass es, bis vor ein paar Tagen  fast durchgängig, von morgens bis abends regnet und es dabei trotzdem um die 28° Grad mit einer erdrückend hohen Luftfeuchtigkeit sind. Mittlerweile habe ich mich aber schon etwas besser an das Klima, die Salamander, die beim Zähneputzen an der Decke herumlaufen oder dir beim Skypen auf den Arm springen und die ganzen Ameisen in der Küche, gewöhnt. 

Von Cairns aus habe ich das Highlight meiner bisherigen Reise erlebt: Das Tauchen am Great Barrier Reef. Erst mal ist das Tauchen an sich schon toll, da man sich unglaublich frei fühlt und das Great Barrier Reef ist einfach faszinierend, wie eine Märchenwelt. Wenn es mein Budget zulässt, mache ich wohl meinen Tauchschein in Thailand.





Ansonsten war die Woche in Cairns recht deprimierend. Selbst nach tagelangem Herumtelefonieren/-mailen habe ich einfach keine bezahlte Arbeit aufgrund der Regenzeit bekommen - und weil ich nicht zum hässlichen Geschlecht gehöre. Ganz oft durfte ich mir nämlich anhören, dass es zurzeit nur Arbeit für Männer gibt. (Ich lasse das mal so unkommentiert stehen…)

Trotz allem habe ich ziemlich viele lustige Leute getroffen und ein paar gute Abende gehabt. Allerdings war ich am St. Patricks Day sehr froh um Mitternacht meinen Bus nach Townsville nehmen zu dürfen. Um die Uhrzeit kam nämlich schon der erste vollkommen betrunkene Engländer ins Zimmer zurück und hat es irgendwie geschafft aus dem Hochbett über das Gitter zu fallen. Zum Glück verletzen sich Kinder und Betrunkene bekanntlich nicht. 

Hier in Townsville bin ich seit einer Woche und bleibe noch eine weitere, da ich für Unterkunft arbeiten kann. Diese besteht hauptsächlich darin, die Küche und die Nebenräume sauber zu halten. Nicht so schön dabei ist, dass ich zwei Stunden um die Mittagszeit und eine Stunde am Abend arbeite, sodass man keine Tagesausflüge machen kann und immer in der Umgebung bleiben muss. Das erste was mir an Townsville aufgefallen ist, sind die unglaublich durchtrainierten Menschen im Supermarkt und dass es Spaß macht Lebensmittel einkaufen zu gehen. Der Australier in meinem Zimmer hat mir deren Fitnessstudio gezeigt: Der hohe rote Berg/Felsen, der mittig in Townsville liegt. Äußerst praktisch ist, dass du keine Gelegenheit bekommst während des Sich-Hochquälens eine Pause zu machen, da wirklich immer irgendein schon triefend nasser, muskulöser Australier dich aufholt, auf der Stelle weiterläuft und brüllt:  „Come on, Mate! You can do it!“ Dabei fanatisch in die Hände klatscht und Motivationsschreie von sich gibt. Äußerst lustig und wirklich anspornend.  

                         Das Outdoor-Fitnessstudio

                        Die Belohnung des Trainings :)

Allerdings ist hier ansonsten einfach nichts zu tun und ich wäre wahrscheinlich schon vor Langeweile und sinnlosem dahindümpeln umgekommen, würde gegen Spätnachmittag mein Townsville-Lieblingsmensch, der Nachtwächter, nicht kommen. Ein Ende 40-Jähriger, der die halbe Welt bereist hat, in Afrika Bananenplantagen gemanagt, auf Jamaika gelebt, für die australische Regierung gearbeitet hat und immer eine spannende Geschichte erzählen kann. Außerdem haben wir einen Deal: Ich habe den Zugriff auf seine sagenhaft umfangreiche Musikbibliothek und muss ihm dafür Rammstein Texten übersetzen, was wirklich keine leichte Aufgabe ist :D
Wenn man von Australiern nach Deutschland gefragt wird, dann handelt es sich meist entweder um einen Bericht vom Oktoberfest (womit ich, trotz enttäuschter Gesichter, nicht dienen kann) oder um die Übersetzung von Rammstein Texten, die hier anscheinend ziemlich populär sind. 
Abends hilft mir der Nachtwächter dann beim Aufräumen der Küche und wir hören dabei Metal. Immer wieder das Highlight meines Tages!

                                Townsville: schön aber tierisch langweilig

Ansonsten bin ich im Zimmer mit den anderen Backpackern, die hier für Unterkunft arbeiten und es macht mich verrückt. Da sind nämlich der Australier, mit dem ich mich gut verstehe und drei Französinnen, die es nicht für nötig halten, auch nicht nach mehrmaligen Nachfragen, englisch zu sprechen. Selbst wenn man Abends mit dem ganzen Team des Hostels zusammensitzt, unterhalten sich die Franzosen nur untereinander. (Ja, sie sind der englischen Sprache mächtig.) Ich bin froh bald weiter reisen zu können. Schade nur um meinen Nachwächter…




Montag, 5. März 2012

Tasmanien mit Klein-Indien


 Ja, ich hab den Blog mal wieder schlüren lassen…

Also, Anfang Februar war ich für zwei Wochen in Tasmanien. Es ist landschaftlich wirklich wunderschön. Zumindest soweit ich das beurteilen kann, da es ohne eigenes Auto schwer ist herumzukommen. Das wirkt sich auch auf die Backpacker aus. Alle sind schon ein wenig älter und man trifft überall Hardcore-Hippies.

Oder Inder. Mein letztes Hostel in Hobart war nämlich ein Volltreffer! Nichtahnend habe ich im Visitor-Center der Stadt für drei Nächte gebucht und bin dann in einem Hostel, vollgestopft mit indischen Männern, gelandet durch das laute indische Musik schallte, da die indischen Männer auf ihrem Handy indische Filme mit indischer Musik – natürlich ohne Kopfhörer – geschaut haben. Wohlgefühlt habe ich dort zwar bestimmt nicht, aber die ganze Situation war doch irgendwie recht lustig ;)

Neben Klein-Indien war ich noch in einigen anderen Städten und Nationalparks, bin wieder mal viel gehikt, habe wirklich nette Leute getroffen, bayrisches Brot gegessen und das erste Känguruh gesehen, das sich aber leider nur als Wallaby herausstellte.

 Bayrisches Brot auf dem Salamanca Markt in Hobart

Der ins Wasser gefallene Aufstieg auf den Mount Wellington

 

Cradle Mountain NP

 Wine Glass Bay NP
 

 
 

das erste Känguruh lässt noch auf auf sich warten...
 



 Hobart - da macht es doch Spaß orientierungslos mit einem viel 
zu schweren Backpack nach einem Hostel zu suchen


Wieder zurück in der Familie, war ein paar Tage später mein Geburtstag, den ich mit einer anderen Backpackerin gemütlich in der Stadt und am Yarra-River verbracht habe. Abends bekam ich dann von meiner Gastfamilie eine kleine Cupcaketorte inklusive Ständchen und wurde zum Essen eingeladen. 

Den Tag darauf habe ich mich mit meinem eigenen Geburtstagsgeschenk überrascht und durfte System of a Down in der Rod Laver Arena genießen. 

Danach bin ich weiter nach Adelaide gefahren, wo ich mich auch jetzt noch aufhalte. Eines der absoluten Highlights bisher war das dortige Soundwave Festival. Slipknot und (noch einmal) System waren einfach nur awesome. Übrigens springen die Australier auch mit FlipFlops im Moshpit herum – No Worries also!

Nebenbei haben sich wieder mal meine Pläne geändert. Nachdem nun der letzte Monat in der Familie wirklich gut war, ich plane Bonnie, die Kleinste, mit nach Hause zu nehmen und mein Geld nicht für die gesamte zweite Hälfte ausreicht, werde ich nochmal für knapp vier Wochen zu den McIntyres zurückkommen. 

Die Eltern werden nämlich im Mai für gut drei Wochen nach Europa fliegen und haben mich gefragt ob ich so nett wäre die Nanny, welche sie für die Zeit einstellen, zu unterstützen. 
Da ich unheimlich nett bin, von und zu einem beliebigen Ort „ein- und ausgeflogen“ werde und mein Gehalt erhöht wird, habe ich mich einverstanden erklärt.
So ist nun die Westküste, zu der ich wahrscheinlich aus Zeit- und Kostengründen eh nicht gefahren wäre, endgültig gestrichen. Zwar ein wenig schade, aber immerhin habe ich jetzt die Möglichkeit die komplette Ostküste zu bereisen. 

In wenigen Tagen werde ich also nach Cairns fliegen und von dort bis hin nach Sydney im Zeitraum von etwa einem Monat herunterfahren. Dann steht zu guter Letzt noch das Center Australiens mit Alice Springs, dem Uluru und dem Kings Canyon NP auf dem Plan, bevor es wieder nach Melbourne zur Gastfamilie geht.
Ja und dann verlasse ich Australien auch schon gen Südostasien und bewege mich somit langsam wieder langsam in Richtung Deutschland. 

Übrigens ist bereits Bergfest, was bedeutet, dass mir nur noch etwa 4 ½ Monate bleiben.
Die Zeit ist bisher unheimlich schnell rumgegangen. Allerdings habe ich beschlossen mein Visum nicht zu erweitern und kein zweites Jahr dran zu hängen. Dafür sehne ich mich zu sehr danach, wieder mal richtig den Kopf anzustrengen und studieren zu dürfen.

Morgen geht es dann nach Barossa Valley um beim Winetasting auch die letzten Gehirnzellen zu verlieren ;)

Bis demnächst,
Tina