Dienstag, 27. März 2012

Mein Lieblings-Nachtwächter

Dieses Mal melde ich mich fast fristgerecht aus Townsville.
Hier an der Ostküste ist im Moment Wetseason, was bedeutet, dass es, bis vor ein paar Tagen  fast durchgängig, von morgens bis abends regnet und es dabei trotzdem um die 28° Grad mit einer erdrückend hohen Luftfeuchtigkeit sind. Mittlerweile habe ich mich aber schon etwas besser an das Klima, die Salamander, die beim Zähneputzen an der Decke herumlaufen oder dir beim Skypen auf den Arm springen und die ganzen Ameisen in der Küche, gewöhnt. 

Von Cairns aus habe ich das Highlight meiner bisherigen Reise erlebt: Das Tauchen am Great Barrier Reef. Erst mal ist das Tauchen an sich schon toll, da man sich unglaublich frei fühlt und das Great Barrier Reef ist einfach faszinierend, wie eine Märchenwelt. Wenn es mein Budget zulässt, mache ich wohl meinen Tauchschein in Thailand.





Ansonsten war die Woche in Cairns recht deprimierend. Selbst nach tagelangem Herumtelefonieren/-mailen habe ich einfach keine bezahlte Arbeit aufgrund der Regenzeit bekommen - und weil ich nicht zum hässlichen Geschlecht gehöre. Ganz oft durfte ich mir nämlich anhören, dass es zurzeit nur Arbeit für Männer gibt. (Ich lasse das mal so unkommentiert stehen…)

Trotz allem habe ich ziemlich viele lustige Leute getroffen und ein paar gute Abende gehabt. Allerdings war ich am St. Patricks Day sehr froh um Mitternacht meinen Bus nach Townsville nehmen zu dürfen. Um die Uhrzeit kam nämlich schon der erste vollkommen betrunkene Engländer ins Zimmer zurück und hat es irgendwie geschafft aus dem Hochbett über das Gitter zu fallen. Zum Glück verletzen sich Kinder und Betrunkene bekanntlich nicht. 

Hier in Townsville bin ich seit einer Woche und bleibe noch eine weitere, da ich für Unterkunft arbeiten kann. Diese besteht hauptsächlich darin, die Küche und die Nebenräume sauber zu halten. Nicht so schön dabei ist, dass ich zwei Stunden um die Mittagszeit und eine Stunde am Abend arbeite, sodass man keine Tagesausflüge machen kann und immer in der Umgebung bleiben muss. Das erste was mir an Townsville aufgefallen ist, sind die unglaublich durchtrainierten Menschen im Supermarkt und dass es Spaß macht Lebensmittel einkaufen zu gehen. Der Australier in meinem Zimmer hat mir deren Fitnessstudio gezeigt: Der hohe rote Berg/Felsen, der mittig in Townsville liegt. Äußerst praktisch ist, dass du keine Gelegenheit bekommst während des Sich-Hochquälens eine Pause zu machen, da wirklich immer irgendein schon triefend nasser, muskulöser Australier dich aufholt, auf der Stelle weiterläuft und brüllt:  „Come on, Mate! You can do it!“ Dabei fanatisch in die Hände klatscht und Motivationsschreie von sich gibt. Äußerst lustig und wirklich anspornend.  

                         Das Outdoor-Fitnessstudio

                        Die Belohnung des Trainings :)

Allerdings ist hier ansonsten einfach nichts zu tun und ich wäre wahrscheinlich schon vor Langeweile und sinnlosem dahindümpeln umgekommen, würde gegen Spätnachmittag mein Townsville-Lieblingsmensch, der Nachtwächter, nicht kommen. Ein Ende 40-Jähriger, der die halbe Welt bereist hat, in Afrika Bananenplantagen gemanagt, auf Jamaika gelebt, für die australische Regierung gearbeitet hat und immer eine spannende Geschichte erzählen kann. Außerdem haben wir einen Deal: Ich habe den Zugriff auf seine sagenhaft umfangreiche Musikbibliothek und muss ihm dafür Rammstein Texten übersetzen, was wirklich keine leichte Aufgabe ist :D
Wenn man von Australiern nach Deutschland gefragt wird, dann handelt es sich meist entweder um einen Bericht vom Oktoberfest (womit ich, trotz enttäuschter Gesichter, nicht dienen kann) oder um die Übersetzung von Rammstein Texten, die hier anscheinend ziemlich populär sind. 
Abends hilft mir der Nachtwächter dann beim Aufräumen der Küche und wir hören dabei Metal. Immer wieder das Highlight meines Tages!

                                Townsville: schön aber tierisch langweilig

Ansonsten bin ich im Zimmer mit den anderen Backpackern, die hier für Unterkunft arbeiten und es macht mich verrückt. Da sind nämlich der Australier, mit dem ich mich gut verstehe und drei Französinnen, die es nicht für nötig halten, auch nicht nach mehrmaligen Nachfragen, englisch zu sprechen. Selbst wenn man Abends mit dem ganzen Team des Hostels zusammensitzt, unterhalten sich die Franzosen nur untereinander. (Ja, sie sind der englischen Sprache mächtig.) Ich bin froh bald weiter reisen zu können. Schade nur um meinen Nachwächter…




Montag, 5. März 2012

Tasmanien mit Klein-Indien


 Ja, ich hab den Blog mal wieder schlüren lassen…

Also, Anfang Februar war ich für zwei Wochen in Tasmanien. Es ist landschaftlich wirklich wunderschön. Zumindest soweit ich das beurteilen kann, da es ohne eigenes Auto schwer ist herumzukommen. Das wirkt sich auch auf die Backpacker aus. Alle sind schon ein wenig älter und man trifft überall Hardcore-Hippies.

Oder Inder. Mein letztes Hostel in Hobart war nämlich ein Volltreffer! Nichtahnend habe ich im Visitor-Center der Stadt für drei Nächte gebucht und bin dann in einem Hostel, vollgestopft mit indischen Männern, gelandet durch das laute indische Musik schallte, da die indischen Männer auf ihrem Handy indische Filme mit indischer Musik – natürlich ohne Kopfhörer – geschaut haben. Wohlgefühlt habe ich dort zwar bestimmt nicht, aber die ganze Situation war doch irgendwie recht lustig ;)

Neben Klein-Indien war ich noch in einigen anderen Städten und Nationalparks, bin wieder mal viel gehikt, habe wirklich nette Leute getroffen, bayrisches Brot gegessen und das erste Känguruh gesehen, das sich aber leider nur als Wallaby herausstellte.

 Bayrisches Brot auf dem Salamanca Markt in Hobart

Der ins Wasser gefallene Aufstieg auf den Mount Wellington

 

Cradle Mountain NP

 Wine Glass Bay NP
 

 
 

das erste Känguruh lässt noch auf auf sich warten...
 



 Hobart - da macht es doch Spaß orientierungslos mit einem viel 
zu schweren Backpack nach einem Hostel zu suchen


Wieder zurück in der Familie, war ein paar Tage später mein Geburtstag, den ich mit einer anderen Backpackerin gemütlich in der Stadt und am Yarra-River verbracht habe. Abends bekam ich dann von meiner Gastfamilie eine kleine Cupcaketorte inklusive Ständchen und wurde zum Essen eingeladen. 

Den Tag darauf habe ich mich mit meinem eigenen Geburtstagsgeschenk überrascht und durfte System of a Down in der Rod Laver Arena genießen. 

Danach bin ich weiter nach Adelaide gefahren, wo ich mich auch jetzt noch aufhalte. Eines der absoluten Highlights bisher war das dortige Soundwave Festival. Slipknot und (noch einmal) System waren einfach nur awesome. Übrigens springen die Australier auch mit FlipFlops im Moshpit herum – No Worries also!

Nebenbei haben sich wieder mal meine Pläne geändert. Nachdem nun der letzte Monat in der Familie wirklich gut war, ich plane Bonnie, die Kleinste, mit nach Hause zu nehmen und mein Geld nicht für die gesamte zweite Hälfte ausreicht, werde ich nochmal für knapp vier Wochen zu den McIntyres zurückkommen. 

Die Eltern werden nämlich im Mai für gut drei Wochen nach Europa fliegen und haben mich gefragt ob ich so nett wäre die Nanny, welche sie für die Zeit einstellen, zu unterstützen. 
Da ich unheimlich nett bin, von und zu einem beliebigen Ort „ein- und ausgeflogen“ werde und mein Gehalt erhöht wird, habe ich mich einverstanden erklärt.
So ist nun die Westküste, zu der ich wahrscheinlich aus Zeit- und Kostengründen eh nicht gefahren wäre, endgültig gestrichen. Zwar ein wenig schade, aber immerhin habe ich jetzt die Möglichkeit die komplette Ostküste zu bereisen. 

In wenigen Tagen werde ich also nach Cairns fliegen und von dort bis hin nach Sydney im Zeitraum von etwa einem Monat herunterfahren. Dann steht zu guter Letzt noch das Center Australiens mit Alice Springs, dem Uluru und dem Kings Canyon NP auf dem Plan, bevor es wieder nach Melbourne zur Gastfamilie geht.
Ja und dann verlasse ich Australien auch schon gen Südostasien und bewege mich somit langsam wieder langsam in Richtung Deutschland. 

Übrigens ist bereits Bergfest, was bedeutet, dass mir nur noch etwa 4 ½ Monate bleiben.
Die Zeit ist bisher unheimlich schnell rumgegangen. Allerdings habe ich beschlossen mein Visum nicht zu erweitern und kein zweites Jahr dran zu hängen. Dafür sehne ich mich zu sehr danach, wieder mal richtig den Kopf anzustrengen und studieren zu dürfen.

Morgen geht es dann nach Barossa Valley um beim Winetasting auch die letzten Gehirnzellen zu verlieren ;)

Bis demnächst,
Tina