Freitag, 6. April 2012

Jene Phase, die wohl auch mal kommen musste...


Ich sitze an einem wunderschönen Strand im wunderschönen, kleinen Ort Airlie Beach und schäme mich fast ein wenig Folgendes aufzuschreiben: Ich habe gerade absolut keinen Bock mehr! 

Mich nervt das ewige Rumgegammel, der Strand, das Meer, in dem man Dank der Gefahr tödlicher Quallen nicht mal schwimmen kann… Ich dachte ja, dass man das Nichtstun (oder Sich-Treiben-Lassen, wie es diejenigen, die es beherrschen, auch gerne nennen) lernen kann, aber ich vermisse es eine Aufgabe zu haben, ein Ziel, was zu lernen und die Zeit SINNVOLL zu verbringen. Normalerweise trifft man zumindest überall nette Leute, die einen davon wunderbar ablenken, allerdings ist die ganze Ostküste voller nachpubertärer Engländer, deren einziges Ziel es ist, sich ab Mittag auf die günstigste Art, d.h. mit Goon (australischem Fusel“wein“), zu betrinken. Das Ganze nennt sich dann im British English „get pissed“, wie ich lernen durfte.

Mir geht das allerdings ziemlich auf die Nerven und ich zähle die Tage bis mein Flieger nach Alice Springs geht. Ich bin ja durchaus ein Freund des ein oder anderen Bierchens (oder des sehnsüchtig vermissten kalten Weizens), aber ich habe bewusst keine Woche Mallorca gebucht. Vor allem ist anscheinend die komplette Ostküste von dieser Art der Backpacker belagert, mit denen man nicht mal zwei normale Worte wechseln kann. Daher vermisse ich ebenfalls ein gutes Gespräch, eine schöne niemals endende Diskussion und bin den Backpacker Small-Talk (Wo kommst du her? Wo gehst du hin? Do you get pissed with us?…) so was von Leid.

Hinzu kommt einfach, dass Australien für eine so lange Reise, nicht für mich gemacht ist. Je länger ich hier bin, desto weniger kann ich das Gefühl unterdrücken. Natürlich ist die Landschaft und sind die Strände traumhaft, die Ausblicke jedes Mal wieder atemberaubend. Dann war es das aber auch. Du siehst oder erlebst nichts „Bleibendes“ oder „Prägendes“. Du lernst nichts. Das Land ist jung und das macht sich bemerkbar, indem es bis auf Outbackorte, wo man etwas von dem Aborigine Leben mitbekommt, komplett geschichts- und kulturlos ist. Ich will absolut nicht sagen, dass mir Australien und das Gleiche gilt für Neuseeland, nicht gefällt. Ich kann mir sogar sehr gut vorstellen, irgendwann nochmal zum Tauchen, für das Bereisen der australischen Westküste und der Nordinsel Neuseelands wiederzukommen, allerdings nicht länger als ein oder zwei Monate am Stück. Dann ist nämlich die Zeit gekommen, wo ich etwas mit mehr Tiefgang vermisse. 

Daher freue ich mich sehr auf Asien und in eine neue Kultur, Lebensweise und Geschichte eintauchen zu können. Mit Hinblick darauf, probiere ich meine Laune zumindest über dem Nullpegel zu halten.
Zudem arbeite ich morgen zum letzten Mal in diesem dreckigen, stinkigen Hostel, das nicht mal einen spannenden Nachtwächter zu bieten hat und suche mir dann einen Platz zum Wwoofen um wieder unter normale Leute zu kommen. Meine Zeit ist mir dann doch viel zu schade, um nur die Tage rückwärts zu zählen. Allerdings habe ich mit mir ausgemacht, bis ich fündig geworden bin, richtig schlechte Laune haben zu dürfen. Das muss auch mal sein :)

(Ich hoffe man kann in etwa nachvollziehen, was ich sagen möchte...)

1 Kommentar:

  1. Genau das hatte ich in Australien auch. Hat sich erst gebessert, als ich die Relocation gemacht hab und 5000 km alleine im Camper durch das Outback bin, das war mein Australien, auch wenn das nur der Scheiß-Matilda-Highway war!

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