Selamat siang aus Malaysia!
Es ist mal wieder etwas her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet habe, daher ein kurzer Schnelldurchlauf, was ich die letzten Wochen
in Australien getrieben habe:
Nach meiner Segeltour und dem Surfen habe ich im 20 Häuser
Dorf Neerdie in Queensland gewwooft und mich selten irgendwo gleich so wohl
gefühlt. Das Ehepaar bei dem ich für
eine Woche gelebt habe, war Anfang 70 und damit deutlich unter dem
Durchschnittsalter der meisten anderen Einwohner. Durch verschiedene Backpacker, die
in ländlichen Gebieten gearbeitet und Texten die ich in manchen
Reiseführern gelesen habe, bin ich durchaus voreingenommen und mit der Erwartung nicht
wirklich willkommen zu sein, losgefahren. Allerdings war genau das Gegenteil
der Fall: Nach ein paar Tagen musste man nur einmal die einzige Straße im Dorf
herunterlaufen und wurde fast immer irgendwo in den Garten auf eine Tasse
Kaffee, interessante Gespräche und ein paar Mückenstiche eingeladen. Es waren allerdings
keine spießigen Senioren, sondern echte Individuen. Es war alles dabei, vom
komplett in weiß gekleideten, langhaarigen und runden sonnenbrillentragenden
Hippie-Opa bis zum Apple-verrückten Endachziger, der die ganze Woche
leidenschaftlich davon erzählte, dass er unbedingt seinen PC mit dem neuen iPad synchronisieren muss, aber gerade mal wusste wo der Startknopf ist.
Ich bin bei Sandra,
einer Australierin und Andy, einem Schotten untergekommen. Ein paar sehr
faszinierende, lustige und unglaublich liebe Menschen. Zusätzlich interessant war es,
da die Beiden für fünf Jahre auf einer Insel mit australischen Ureinwohnern
gelebet und gearbeitet haben und sogar in deren Stamm aufgenommen wurden. Also gab es
neben selbstgebrautem Bier, Thai lernen mit Sally und Tarantino-Filmabenden
auch noch richtig gute und spannende Gespräche. Zudem war das Treffen mit ihrem
Sohn äußerst unterhaltsam. Er ist Leadsänger in einer (ehemals) recht
erfolgreichen Band in Australien, die mit AC/DC, KISS, Alice in Chains ect. getourt
hat.
Diese Dorfbewohner waren also von Spießigkeit ziemlich weit
entfernt und ich war sehr traurig nach der viel zu kurzen Zeit wieder Abschied zu nehmen.
Wunderschönes Neerdie
Private Alkoholbrauschule "Der erste halbe Liter ist nur fürs Fensterputzen gut"
Ein zu gutes Coverfoto, um es nicht zu fotografieren...
Andy & Sandy
Mein nächster Stop war in Brisbane, wo ich bei dem Sohn
einer Neerdie-Dorfbewohnerin, den ich während des Wwoofens kennengelernt habe, untergekommen bin. Leider hat sich dann erst herausgestellt, dass wir absolut nicht auf einer Wellenlänge sind. Zum Glück waren seine Freunde
super und so habe ich dann mit denen etwas unternommen und sehr lustige (und
unglaublich teure) Abende verbracht, bevor ich weiter nach Narengba gefahren
bin.
Hier habe ich wiederum fünf Tage gewwoofen. Allerdings auf
einer riesigen Gemüsefarm, auf der weniger der kulturelle Austausch als die
Arbeit im Vordergrund stand. So habe ich hier den ganzen Tag irgendwelche Setzlinge
gepflanzt, Kuhmist geschaufelt und geerntet. Die Familie wollte neben der
Arbeit und dem Mittag- bzw. Abendessen auch weniger mit den Wwoofern zu tun
haben, sodass ich froh war, das ein oder andere Schwätzchen mit dem
italienischen Opa, der ebenfalls auf dem Hof lebt und immer mit seiner Kuh
Gassi gegangen ist, zu halten.
Mein Gesprächspartner (Leider war die Kuh gerade nicht mit dabei!)
Ende April bin ich dann von Brisbane nach Alice Springs
geflogen und habe dort eine dreitägige Tour ins Outback, zum Uluru (Ayers Rock),
den Kata Tjutas und Kings Canyon Nationalpark gemacht. In der Nacht haben wir
bei kühlen sechs Grad ums Lagerfeuer in Swags (australischer dicker Schlafsack
mit integrierter Isomatte und fester
Außenhülle) unter dem unglaublichen Sternenhimmel übernachtet. Außerdem hab ich
endlich neben Kamelen, Kängurus in freier Wildbahn gesehen. Auch mit der Gruppe hatte ich mal wieder Glück, sodass selbst 1200 Kilometer Fahrt durch die immer gleiche Landschaft nicht langweilig wurden. (Dank sei vor allem einem der unterhaltsamsten Amerikaner, den ich bisher kennenlernen durfte!)
Kings Canyon NP
Kata Tjutas
Uluru
Alice Springs, von wo die Tour gestartet ist, war weniger
schön. Wo man hingesehen hat, vollkommen betrunkene und mitten auf der Straße
schlafende Aborigines, die mit einer ziemlich einschüchternden Stimme durch
die Straßen gerufen haben. Als ich mit zwei weiteren Backpackern Nachts vom
Tour-Nachtreffen zurück zum Hostel gelaufen bin, ist ein Polizei-Auto
angekommen und neben uns im Schritttempo von der Bar bis zum Hostel gefahren,
da es sonst zu gefährlich sei.
Allerdings scheint die Polizei in Alice Springs nicht den Unterschied zwischen Vorsicht und Rassismus zu kennen. So rollen sie mit
dem Polizeiauto den ganzen Tag von Aborigines zu Aborigines auf ein paar
Zentimeter heran, fahren das Fenster herunter und starren denjenigen ein paar
Minuten überprüfend an. Wäre ich ein australischer Ureinwohner und stände nur deshalb
sofort und überall unter Generalverdacht, würde ich auch mal meine
einschüchternde Stimme auspacken. Leider ist diese Zurückweisung in ganz
Australien zu merken. Nirgendswo sind sie auch nur im Geringsten integriert,
sehr traurig das mit anzusehen…
Von Alice Springs bin ich dann nach Melbourne geflogen um den
Mai nochmal in meiner AuPair Familie zu verbringen und zusammen mit einer Nanny
auf die Kinder aufzupassen, während die Eltern für drei Wochen in Europa sind.
Die ersten anderthalb Wochen hätten uns schon warnen sollen,
denn sie liefen erstaunlich problemfrei. In etwa der Hälfte der Zeit
fingen die Kinder an ihre Eltern zu vermissen und dadurch ziemlich
unausgeglichen zu sein. Und dann wurde es anstrengend! Richtig anstrengend! Aus
jedem „Nein“ wurde ein riesengroßes, lautstarkes Theater.
Da ich es absolut nicht einsehe, warum ich jemandem
Süßigkeiten erlauben sollte, wenn man das Abendessen nicht angerührt hat oder jemanden
sich mit Freunden treffen zu lassen, wenn er vor einer Stunde nicht in die
Schule gehen konnte, da er sterbenskrank war, hat das Ganze meist mit Sich-auf-den-Boden-schmeißen,
Brüllen, Kreischen und Sachen herum schmeißen geendet.
Übrigens habe ich nun einen Zeugen, der meine Meinung
bestätigt, dass es unglaublich verzogenen Kinder sind, denen Zucker in die
süßen Popos geblasen wird. Die Nanny war vierzig, hat ihr Leben lang mit Kindern
zusammengearbeitet und meinte, sie hätte noch nie welche gehabt, denen es so fremd ist mal ein „Nein“ zu hören. So! Nur zu meiner Verteidigung! ;)
Als die Eltern dann wieder da waren, hatte ich nochmal ein
paar schöne Tage in der Familie. Wenn die Kinder etwas wollten und wussten dass
ich „Nein“ sage, sind sie einfach direkt zu ihren Eltern gegangen. Dort haben sie ihren Willen bekommen, waren glücklich und friedlich und ich brauchte nicht das Gefühl haben
für ein bisschen Ruhe meine Prinzipien über Bord werfen zu müssen und war somit auch
glücklich.
Ich bin ja mal gespannt, wie die Kinder in etwa zehn Jahren
sind…
Trotz ein paar wirklich anstrengenden Tagen, bin ich sehr
froh für die drei Monate als AuPair in eine Familie gegangen zu sein. Die
Eltern waren trotz bedenklichem Erziehungskonzept (Ja, ich möchte mir wirklich rausnehmen, das zu beurteilen!) super nette Leute, die ich
gerne nochmal besuchen komme. Ich habe unzählig viele tolle Australier
kennengelernt. Mein Englisch hat sich zumindest etwas verbessert. Ich habe,
ausgenommen von den ersten Tagen, als ich neu in der Familie war und der letzten
Woche ohne Eltern, eine lustige Zeit mit den Kindern verbracht und sie trotz allem
ziemlich lieb gewonnnen. Das Wichtigste aber ist, dass ich meine eigene Erziehung viel mehr schätzen gelernt habe und meinen Eltern für jedes „Nein“, das ich bekommen und sie aus Bequemlichkeit nicht einfach vermieden haben, sehr dankbar bin!
Und dann war Ende Mai meine Zeit in Australien auch schon
vorbei. Nach siebeneinhalb Monaten bin ich von Melbourne wieder nach Brisbane und von dort mit ziemlich getrübter und melancholischer Stimmung nach Sinpapur geflogen.
Nun reise ich seit etwa zwei Wochen in Südostasien. In den
nächsten zwei, drei Tagen kommt dann der Bericht darüber, sodass der Blog
wieder up-to-date ist.
.
Bis dahin, Selamat tinggal! (Es wird fast alles so
ausgesprochen, wie es geschrieben wird. Malaiisch ist gar nicht mal so schwer
;))












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