Samstag, 9. Juni 2012

Die letzten Wochen in Australien!


Selamat siang aus Malaysia!

Es ist mal wieder etwas her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet habe, daher ein kurzer Schnelldurchlauf, was ich die letzten Wochen in Australien getrieben habe: 

Nach meiner Segeltour und dem Surfen habe ich im 20 Häuser Dorf Neerdie in Queensland gewwooft und mich selten irgendwo gleich so wohl gefühlt.  Das Ehepaar bei dem ich für eine Woche gelebt habe, war Anfang 70 und damit deutlich unter dem Durchschnittsalter der meisten anderen Einwohner. Durch verschiedene Backpacker, die in ländlichen Gebieten gearbeitet und Texten die ich in manchen Reiseführern gelesen habe, bin ich durchaus voreingenommen und mit der Erwartung nicht wirklich willkommen zu sein, losgefahren. Allerdings war genau das Gegenteil der Fall: Nach ein paar Tagen musste man nur einmal die einzige Straße im Dorf herunterlaufen und wurde fast immer irgendwo in den Garten auf eine Tasse Kaffee, interessante Gespräche und ein paar Mückenstiche eingeladen. Es waren allerdings keine spießigen Senioren, sondern echte Individuen. Es war alles dabei, vom komplett in weiß gekleideten, langhaarigen und runden sonnenbrillentragenden Hippie-Opa bis zum Apple-verrückten Endachziger, der die ganze Woche leidenschaftlich davon erzählte, dass er unbedingt seinen PC mit dem neuen iPad synchronisieren muss, aber gerade mal wusste wo der Startknopf ist. 

Ich bin bei Sandra, einer Australierin und Andy, einem Schotten untergekommen. Ein paar sehr faszinierende, lustige und unglaublich liebe Menschen. Zusätzlich interessant war es, da die Beiden für fünf Jahre auf einer Insel mit australischen Ureinwohnern gelebet und gearbeitet haben und sogar in deren Stamm aufgenommen wurden. Also gab es neben selbstgebrautem Bier, Thai lernen mit Sally und Tarantino-Filmabenden auch noch richtig gute und spannende Gespräche. Zudem war das Treffen mit ihrem Sohn äußerst unterhaltsam. Er ist Leadsänger in einer (ehemals) recht erfolgreichen Band in Australien, die mit AC/DC, KISS, Alice in Chains ect. getourt hat.
Diese Dorfbewohner waren also von Spießigkeit ziemlich weit entfernt und ich war sehr traurig nach der viel zu kurzen Zeit wieder Abschied zu nehmen.


 Wunderschönes Neerdie
 
Private Alkoholbrauschule "Der erste halbe Liter ist nur fürs Fensterputzen gut"

 Ein zu gutes Coverfoto, um es nicht zu fotografieren...
 
Andy & Sandy

Mein nächster Stop war in Brisbane, wo ich bei dem Sohn einer Neerdie-Dorfbewohnerin, den ich während des Wwoofens kennengelernt habe, untergekommen bin. Leider hat sich dann erst herausgestellt, dass wir absolut nicht auf einer Wellenlänge sind. Zum Glück waren seine Freunde super und so habe ich dann mit denen etwas unternommen und sehr lustige (und unglaublich teure) Abende verbracht, bevor ich weiter nach Narengba gefahren bin. 

Hier habe ich wiederum fünf Tage gewwoofen. Allerdings auf einer riesigen Gemüsefarm, auf der weniger der kulturelle Austausch als die Arbeit im Vordergrund stand. So habe ich hier den ganzen Tag irgendwelche Setzlinge gepflanzt, Kuhmist geschaufelt und geerntet. Die Familie wollte neben der Arbeit und dem Mittag- bzw. Abendessen auch weniger mit den Wwoofern zu tun haben, sodass ich froh war, das ein oder andere Schwätzchen mit dem italienischen Opa, der ebenfalls auf dem Hof lebt und immer mit seiner Kuh Gassi gegangen ist, zu halten.


Mein Gesprächspartner (Leider war die Kuh gerade nicht mit dabei!)



Ende April bin ich dann von Brisbane nach Alice Springs geflogen und habe dort eine dreitägige Tour ins Outback, zum Uluru (Ayers Rock), den Kata Tjutas und Kings Canyon Nationalpark gemacht. In der Nacht haben wir bei kühlen sechs Grad ums Lagerfeuer in Swags (australischer dicker Schlafsack mit integrierter Isomatte und  fester Außenhülle) unter dem unglaublichen Sternenhimmel übernachtet. Außerdem hab ich endlich neben Kamelen, Kängurus in freier Wildbahn gesehen. Auch mit der Gruppe hatte ich mal wieder Glück, sodass selbst 1200 Kilometer Fahrt durch die immer gleiche Landschaft nicht langweilig wurden. (Dank sei vor allem einem der unterhaltsamsten Amerikaner, den ich bisher kennenlernen durfte!)

 Kings Canyon NP






Kata Tjutas



Uluru


 
Alice Springs, von wo die Tour gestartet ist, war weniger schön. Wo man hingesehen hat, vollkommen betrunkene und mitten auf der Straße schlafende Aborigines, die mit einer ziemlich einschüchternden Stimme durch die Straßen gerufen haben. Als ich mit zwei weiteren Backpackern Nachts vom Tour-Nachtreffen zurück zum Hostel gelaufen bin, ist ein Polizei-Auto angekommen und neben uns im Schritttempo von der Bar bis zum Hostel gefahren, da es sonst zu gefährlich sei.
Allerdings scheint die Polizei in Alice Springs nicht den Unterschied zwischen Vorsicht und Rassismus zu kennen. So rollen sie mit dem Polizeiauto den ganzen Tag von Aborigines zu Aborigines auf ein paar Zentimeter heran, fahren das Fenster herunter und starren denjenigen ein paar Minuten überprüfend an. Wäre ich ein australischer Ureinwohner und stände nur deshalb sofort und überall unter Generalverdacht, würde ich auch mal meine einschüchternde Stimme auspacken. Leider ist diese Zurückweisung in ganz Australien zu merken. Nirgendswo sind sie auch nur im Geringsten integriert, sehr traurig das mit anzusehen…

Von Alice Springs bin ich dann nach Melbourne geflogen um den Mai nochmal in meiner AuPair Familie zu verbringen und zusammen mit einer Nanny auf die Kinder aufzupassen, während die Eltern für drei Wochen in Europa sind.
Die ersten anderthalb Wochen hätten uns schon warnen sollen, denn sie liefen erstaunlich problemfrei. In etwa der Hälfte der Zeit fingen die Kinder an ihre Eltern zu vermissen und dadurch ziemlich unausgeglichen zu sein. Und dann wurde es anstrengend! Richtig anstrengend! Aus jedem „Nein“ wurde ein riesengroßes, lautstarkes Theater.
Da ich es absolut nicht einsehe, warum ich jemandem Süßigkeiten erlauben sollte, wenn man das Abendessen nicht angerührt hat oder jemanden sich mit Freunden treffen zu lassen, wenn er vor einer Stunde nicht in die Schule gehen konnte, da er sterbenskrank war, hat das Ganze meist mit Sich-auf-den-Boden-schmeißen, Brüllen, Kreischen und Sachen herum schmeißen geendet.
Übrigens habe ich nun einen Zeugen, der meine Meinung bestätigt, dass es unglaublich verzogenen Kinder sind, denen Zucker in die süßen Popos geblasen wird. Die Nanny war vierzig, hat ihr Leben lang mit Kindern zusammengearbeitet und meinte, sie hätte noch nie welche gehabt, denen es so fremd ist mal ein „Nein“ zu hören. So! Nur zu meiner Verteidigung! ;)

Als die Eltern dann wieder da waren, hatte ich nochmal ein paar schöne Tage in der Familie. Wenn die Kinder etwas wollten und wussten dass ich „Nein“ sage, sind sie einfach direkt zu ihren Eltern gegangen. Dort haben sie ihren Willen bekommen, waren glücklich und friedlich und ich brauchte nicht das Gefühl haben für ein bisschen Ruhe meine Prinzipien über Bord werfen zu müssen und war somit auch glücklich.
Ich bin ja mal gespannt, wie die Kinder in etwa zehn Jahren sind…

Trotz ein paar wirklich anstrengenden Tagen, bin ich sehr froh für die drei Monate als AuPair in eine Familie gegangen zu sein. Die Eltern waren trotz bedenklichem Erziehungskonzept (Ja, ich möchte mir wirklich rausnehmen, das zu beurteilen!) super nette Leute, die ich gerne nochmal besuchen komme. Ich habe unzählig viele tolle Australier kennengelernt. Mein Englisch hat sich zumindest etwas verbessert. Ich habe, ausgenommen von den ersten Tagen, als ich neu in der Familie war und der letzten Woche ohne Eltern, eine lustige Zeit mit den Kindern verbracht und sie trotz allem ziemlich lieb gewonnnen. Das Wichtigste aber ist, dass ich meine eigene Erziehung viel mehr schätzen gelernt habe und meinen Eltern für jedes „Nein“, das ich bekommen und sie aus Bequemlichkeit nicht einfach vermieden haben, sehr dankbar bin!

Und dann war Ende Mai meine Zeit in Australien auch schon vorbei. Nach siebeneinhalb Monaten bin ich von Melbourne wieder nach Brisbane und von dort mit ziemlich getrübter und melancholischer Stimmung nach Sinpapur geflogen.

Nun reise ich seit etwa zwei Wochen in Südostasien. In den nächsten zwei, drei Tagen kommt dann der Bericht darüber, sodass der Blog wieder up-to-date ist.
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Bis dahin, Selamat tinggal! (Es wird fast alles so ausgesprochen, wie es geschrieben wird. Malaiisch ist gar nicht mal so schwer ;))

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