Dieses Mal
melde ich mich fast fristgerecht aus Townsville.
Hier
an der Ostküste ist im Moment Wetseason, was bedeutet, dass es, bis vor ein
paar Tagen fast durchgängig, von morgens
bis abends regnet und es dabei trotzdem um die 28° Grad mit einer erdrückend
hohen Luftfeuchtigkeit sind. Mittlerweile habe ich mich aber schon etwas besser
an das Klima, die Salamander, die beim Zähneputzen an der Decke herumlaufen
oder dir beim Skypen auf den Arm springen und die ganzen Ameisen in der Küche,
gewöhnt.
Von Cairns
aus habe ich das Highlight meiner bisherigen Reise erlebt: Das Tauchen am Great
Barrier Reef. Erst mal ist das Tauchen an sich schon toll, da man sich
unglaublich frei fühlt und das Great Barrier Reef ist einfach faszinierend, wie
eine Märchenwelt. Wenn es mein Budget zulässt, mache ich wohl meinen
Tauchschein in Thailand.
Ansonsten war die Woche in Cairns recht deprimierend. Selbst nach tagelangem Herumtelefonieren/-mailen habe ich einfach keine bezahlte Arbeit aufgrund der Regenzeit bekommen - und weil ich nicht zum hässlichen Geschlecht gehöre. Ganz oft durfte ich mir nämlich anhören, dass es zurzeit nur Arbeit für Männer gibt. (Ich lasse das mal so unkommentiert stehen…)
Trotz allem
habe ich ziemlich viele lustige Leute getroffen und ein paar gute Abende
gehabt. Allerdings war ich am St. Patricks Day sehr froh um Mitternacht meinen
Bus nach Townsville nehmen zu dürfen. Um die Uhrzeit kam nämlich schon der
erste vollkommen betrunkene Engländer ins Zimmer zurück und hat es irgendwie
geschafft aus dem Hochbett über das Gitter zu fallen. Zum Glück verletzen sich
Kinder und Betrunkene bekanntlich nicht.
Hier in
Townsville bin ich seit einer Woche und bleibe noch eine weitere, da ich für
Unterkunft arbeiten kann. Diese besteht hauptsächlich darin, die Küche und die
Nebenräume sauber zu halten. Nicht so schön dabei ist, dass ich zwei Stunden um
die Mittagszeit und eine Stunde am Abend arbeite, sodass man keine
Tagesausflüge machen kann und immer in der Umgebung bleiben muss. Das erste was
mir an Townsville aufgefallen ist, sind die unglaublich durchtrainierten
Menschen im Supermarkt und dass es Spaß macht Lebensmittel einkaufen zu gehen. Der Australier in meinem Zimmer hat mir deren
Fitnessstudio gezeigt: Der hohe rote Berg/Felsen, der mittig in Townsville
liegt. Äußerst praktisch
ist, dass du keine Gelegenheit bekommst während des Sich-Hochquälens eine Pause zu machen, da wirklich immer irgendein schon triefend nasser, muskulöser Australier dich aufholt, auf der Stelle
weiterläuft und brüllt: „Come on, Mate!
You can do it!“ Dabei fanatisch in die Hände klatscht und Motivationsschreie
von sich gibt. Äußerst lustig und wirklich anspornend.
Das Outdoor-Fitnessstudio
Die Belohnung des Trainings :)
Allerdings
ist hier ansonsten einfach nichts zu tun und ich wäre wahrscheinlich schon vor
Langeweile und sinnlosem dahindümpeln umgekommen, würde gegen Spätnachmittag
mein Townsville-Lieblingsmensch, der Nachtwächter, nicht kommen. Ein Ende
40-Jähriger, der die halbe Welt bereist hat, in Afrika Bananenplantagen
gemanagt, auf Jamaika gelebt, für die australische Regierung gearbeitet hat und
immer eine spannende Geschichte erzählen kann. Außerdem haben wir einen Deal:
Ich habe den Zugriff auf seine sagenhaft umfangreiche Musikbibliothek und muss
ihm dafür Rammstein Texten übersetzen, was wirklich keine leichte Aufgabe ist :D
Wenn man von
Australiern nach Deutschland gefragt wird, dann handelt es sich meist entweder
um einen Bericht vom Oktoberfest (womit ich, trotz enttäuschter Gesichter,
nicht dienen kann) oder um die Übersetzung von Rammstein Texten, die hier
anscheinend ziemlich populär sind.
Abends hilft
mir der Nachtwächter dann beim Aufräumen der Küche und wir hören dabei Metal.
Immer wieder das Highlight meines Tages!
Townsville: schön aber tierisch langweilig
Ansonsten
bin ich im Zimmer mit den anderen Backpackern, die hier für Unterkunft arbeiten und es macht mich verrückt. Da sind nämlich der Australier, mit dem ich mich
gut verstehe und drei Französinnen, die es nicht für nötig halten, auch nicht nach
mehrmaligen Nachfragen, englisch zu sprechen. Selbst wenn man Abends mit dem ganzen Team des Hostels zusammensitzt, unterhalten sich die Franzosen nur untereinander. (Ja, sie sind der englischen Sprache mächtig.) Ich bin froh bald weiter reisen zu
können. Schade nur um meinen Nachwächter…










